Weinheimer Nachrichten vom 03.05.2007

Schlagende Argumente

BAHNENGOLF: Der Minigolfer Harald Erlbruch aus Frankfurt hält sich seit 15 Jahren an der Weltspitze (Von dpa-Mitarbeiter Christian Ebner)

Minigolf ist kein Sport für Unsportliche. „Eine bessere Kondition bedeutet natürlich bessere Konzentration, die sich vor allem bei langen Turnieren auszahlt", sagt Einzel-Europameister Harald Erlbruch. Der 32-Jährige aus Frankfurt hält sich seit 15 Jahren in der deutschen und damit auch in der internationalen Spitze. Nach seinem Geschmack könnte der häufig als belangloser Freizeitspaß belächelte Sport durchaus etwas ernster genommen werden.



Erlbruch startet in der Bundesliga für den Wuppertaler Verein BGS Hardenberg Pötter, so eine Art Bayern München der Minigolfer. Die Heimat des Vereins ist allerdings gar nicht so wichtig, denn die Bundesliga wird permanent auf wechselnden Plätzen quer durch die ganze Republik gespielt. Einen Heimvorteil kann so keine Mannschaft entwickeln, und den Minigolfern wird es auch nicht so schnell langweilig. Aber: „Die Turniere finden meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt", sagt Erlbruch mit Bedauern. Mit besserer Öffentlichkeitsarbeit sei da mehr drin: „Die Leute bleiben nämlich stehen und sehen sehr interessiert zu, wenn wir auf der Bahn sind."
 

So geht's richtig: Harald Erlbruch demonstriert die optimale Haltung beim Minigolf. Der Frankfurter ist Einzel-Europameister. Bilder: dpa

Internet: www.minigolfsport.de. Dort findet man auch einen Minigolf-Atlas, in dem die meisten deutschen Anlagen verzeichnet sind

In erster Linie veranstalten die Spitzenspieler eine Materialschlacht auf den genormten und vor allem im deutschsprachigen Raum weit verbreiteten Bahnen. 400 bis 500 verschiedene Bälle hat jeder dabei, um auf alle Witterungseinflüsse und Beläge vorbereitet zu sein. „Dafür haben wir aber nur einen Schläger", erläutert der Europameister einen augenfälligen Unterschied zum Golf.
Der aus Köln stammende Erlbruch ist wie sein drei Jahre älterer Bruder Walter in den Minigolf-Sport hineingewachsen. „Ich bin auf dem Platz des Kölner MC in Köln-Ehrenfeld groß geworden und habe es irgendwann selbst probiert. Und es macht mir immer noch Spaß." Nach Frankfurt kam er der Liebe wegen und ist hier geblieben. Die frühere, ebenfalls minigolfende Freundin ist längst Vergangenheit, doch dafür hat Erlbruch nun die amtierende Einzel-Weltmeisterin Corina Reinisch an den Main gelotst.
Die etwas einseitige Partnerwahl mag mit dem Umstand zusammenhängen, dass die Spieler von Frühjahr bis Herbst jedes Wochenende komplett auf dem Platz verbringen. Mit der Barmer Krankenkasse hat der gelernte Sozialversicherungs-fachwirt Erlbruch zu dem einen Arbeitgeber der ihn in seinen sportlichen Ambitionen unterstützt.Seinen Urlaub kann er nach seinen Wettbewerben planen, und zur Not gibt es auch noch bis zu fünf Tage extra frei. Geld verdienen kann aber selbst der deutsche Ranglistenerste kaum mit dem Minigolf. „Mir sind die Mannschaftswettbewerbe und Meisterschaften wichtiger als ein Turnier, bei dem es mal ein Preisgeld gibt", sagt Harald Erlbruch. Und so dreht er weiter regelmäßig seine Laufrunden von bis zu 15 Kilometern und spielt im Winter Tischtennis auf regionalem Niveau. Den Weltmeistertitel im Minigolf muss er schon holen, um am heimischen Küchentisch mit seiner Freundin gleich zu ziehen.