Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH; Zeitschrift Hin und Weg; Heft 11 / Frühjahr 2005


Minigolfer sind akkurate Menschen. Sie verschenken keinen Millimeter. Was für andere Sportler Kraft und Ausdauer bedeuten, sind für sie Konzentration und Sorgfalt. Das Schöne daran: Geselligkeit wird groß geschrieben, wenn jung und Alt um die wenigsten Punkte wetteifern.

Oberstes Ziel beim Bahnengolf ist es, den Ball mit möglichst wenigen Schlägen - die als Punkte gezählt werden - einzulochen. Kein leichtes Unterfangen auf "Ritter Sport "Mausefalle", "Labyrinth" oder "Flipper". So heißen die meist 18 Bahnen mit ihren raffinierten Hindernissen. Turnierspieler unterscheiden zwischen Minigolf mit zwölf Meter langen Bahnen aus Beton und Miniaturgolf, das auf 6,50 Meter langen Eternitbahnen gespielt wird.

Ganz schön "ballaballa"

Doch ob Mini oder Miniatur: Hauptsache, die Stimmung ist gut, die Anlage gepflegt, und die Sonne lacht vom Himmel. Wobei sich das Wetter auch noch austricksen lässt. Die Minigolfhalle in Lorsch hat bis Ende April täglich außer montags ab 14 Uhr geöffnet.
Zum "Golf des kleinen Mannes" braucht man keine besondere Ausrüstung; Ball und Schläger hält jede Anlage zum Verleih bereit. Turnierspieler sehen das freilich anders. Ein Profi hat bei einem Turnier bis zu 200 Bälle dabei. je nach Bahn muss der Ball andere Eigenschaften wie Sprunghöhe, Härte oder Gewicht haben. Profis über die Schulter schauen können Besucher übrigens beim Osterturnier des 1. Miniaturgolf Clubs Weinheim. Dort tummeln sich am 26. und 27. März rund 150 Teilnehmer aus dem In- und Ausland. Schweden ist traditionell stark vertreten - die kühlen Nordmänner tauen bei frühlingshaften Temperaturen und so manchem Umtrunk an der Bergstraße richtig auf ...

40 Jahre Vereinsleben in der Region

Die Wurzeln des Minigolf liegen übrigens wie die seines großen Bruders in England. Ursprünglich als Übungsareal für Golfer gedacht, wurden "practice putting greens" im Laufe der Zeit mit Hindernissen versehen und losgelöst von Golfplätzen angelegt. In den 20er Jahren erlebten solche Spielplätze ihre große Zeit, um bald darauf genauso schnell wieder zu verschwinden. 1953 schlug mit der Patentierung der Bezeichnung "Minigolf" und dem ersten Kleingolf-Platz bei Locarno die Geburtsstunde unseres heutigen Minigolf. Mitte der 60er Jahre gab es 120 Bahnen in Deutschland; auch in unserer Region schlossen sich die ersten Minigolfer zu Vereinen zusammen.

Minigolfern fehlen "Minis"

Zvonimir Jankovic findet Minigolf "eine wunderbare Sportart, die man an der frischen Luft und mit der ganzen Familie betreiben kann." Für ihn und seine Kinder ist aus dem Freizeitvergnügen längst mehr geworden: Er selbst ist seit 20 Jahren Vorsitzender des 1. MGC Ludwigshafen und Präsident des Bahnengolf-Verbands Rheinland- Pfalz, seine Tochter war deutsche Vizemeisterin, und sein Sohn spielte erste Bundesliga. Doch am meisten liebt Jankovic den Kontakt mit den Besuchern auf seinem Platz im Ebertpark Ludwigshafen: "Ich kenne alle Stammgäste seit vielen Jahren. Als eine unserer Spielerinnen 90 wurde, war es für uns Ehrensache, die Feier auf der Anlage auszurichten." Emil Schilling, auch ein alter Hase in der hiesigen Minigolfszene und Vorsitzender des 1. MGC Mannheim, ist jedes Wochenende das ganze Jahr über "draußen". Er kennt seine treuen Besucher ebenfalls. "Minigolf kann man so lange spielen, wie man den Schläger halten kann", sagt er und verweist gleichzeitig auf den Nachwuchsmangel: "Wir haben zurzeit nur einen jugendlichen, der auf Liganiveau spielt." Vielleicht kommt dieses Jahr ein Besucher auf den Geschmack?